Dienst Persönliche Schutzausrüstung (PSA)

Das Thema Persönliche Schutzausrüstung ist vielfältig. Die GUV-V C 53 Unfallverhütungsvorschrift [UVV] „Feuerwehren“ sagt aus:

Zum Schutz vor den Gefahren des Feuerwehrdienstes bei Ausbildung, Übung und Einsatz müssen folgende persönliche Schutzausrüstungen zur Verfügung gestellt werden:
1. Feuerwehrschutzanzug
2. Feuerwehrhelm mit Nackenschutz
3. Feuerwehrschutzhandschuhe
4. Feuerwehrschutzschuhwerk

Regelmäßig sind die Feuerwehrangehörigen in Diensten in den Gebrauch der Persönlichen Schutzausrüstung (PSA) zu unterweisen, deswegen findet sich das Thema auch immer wieder in den Dienstplänen wieder.

Sinn und Zweck einer solchen Unterweisung ist es die Benutzung der PSA auch unter Einsatzbedingungen zu beherrschen aber auch die Funktionsweise und Grenzen der PSA kennen zu lernen.

PSA mit PAGerade im Bereich der Schutzkleidung für Brandeinsätze hat sich in den letzten Jahren einiges getan. So verfügen mittlerweile alle Atemschutzgeräteträger über Überjacken und Überhosen, die helfen die Gefahren bei Phänomen der raschen Brandausbreitung (wie z.B. Rauchgasdurchzündung, Feuerübersprung) zu verringern. Praktisch bedeutet dies, dass der Feurwehrangehörige eine Chance bekommt derartige Brandereignisse im Einsatz zu überleben (auf dem Bild fehlt die Flammschutzhaube beim rechten AGT!).

Leider ranken sich um die Wirkungen der PSA viele Mythen und Unwahrheiten, und da unsere Feuerwehrangehörigen leider nicht die Möglichkeit haben in Anlagen zur Realbrandausbildung zu üben, muss ein anderer Weg gefunden werden die PSA besser kennen zu lernen.

Jacke freiDen Einstieg bildete ein theoretischer Teil bei dem wir uns eine Überjacke aus Stade angesehen haben, die ihren Träger bei einer Rauchgasdurchzündung geschützt hat. Hier konnte man deutlich die Verfärbung des schwarzen Oberstoffs nach der thermischen Belastung erkennen. Die Verfärbung ist kein Mangel sondern eine Indikator dafür, dass die PSA ihre Arbeit getan und dabei die Schutzwirkung verloren hat. Die Aufgabe der PSA ist unter anderem Wärmeenergie zu binden indem der Oberstoff sich physikalisch verändert. Dabei schmilzt der Oberstoff – das heißt nach dem Erkalten ist der textile Griff verschwunden und das Material wird spröde und brüchig.

Noch interessanter wird es wenn man sich ansieht, was Überjacke und Überhose (Typ B) nach den gängigen Vorschriften leisten müssen.

Kennzeichenpiktogramm PSA IA

Ein Blick auf den Wärmeübergang: zum Test wird die Kleidung von 12 Propangas-Brennern 8 Sekunden lang mit 84kW /m² beflammt. (Zum Vergleich: an einen klaren Tag erreicht die Sonne eine Strahlungsenergie von 1 kW/m²).

Quelle: Hohenstein Institut Schutzkleidung für die Brandbekämpfung EN 469: 2005 und HuPF:2006Nach rund 13 Sekunden ist in der PSA die Schmerzschwelle erreicht, vier Sekunden später sind Verbrennungen zweiten Grades zu erwarten. Diese vier Sekunden sind die „Fluchtzeit“. Diese doch recht nüchternen Zahlen zeigen deutlich, um was es letzlich bei der persönlichen Schutzausrüstung geht. Um diesen Schutz zu haben, muss die PSA nicht nur den gängigen Vorschriften genügen, sondern auch richtig angelegt und in einwandfreiem Zustand sein. Nach dem theoretischen Teil ging es darum sich einmal das Verhalten der PSA bei Belastung anzusehen. Zu diesem Zweck haben wir uns von Herstellern Bemusterungsproben einer Überjacke und einer Schnittschutzhose besorgt.

(Bildquelle Thermoman (R): Hohenstein Institut „Schutzkleidung für die Brandbekämpfung EN 469: 2005 und HuPF:2006“)

schnittschutzsäge 1Zunächst demonstrierte unser Sicherheitsbeauftragter, wie sich eine Schnittschutzhose verhält sobald man in sie hineinsägt. Im ersten Versuch wurde langsam ins Material gesägt – die Säge stand aucenblicklich. Natürlich sieht das in der Realität anders aus, deswegen wurde im zweiten Versuch mit Vollgas und schnell in das Material gesägt. Doch auch hier kam die Säge sofort zum Stillstand.

 

 

schnittschutzsäge 2Wir untersuchten die Hose nach diesem Test: sechs Lagen der insgesamt 10 Lagen waren durchtrennt, auf dem Holzstück in der Hose war keine Beschädigung feststellbar.

Spätestens nach diesem diesem Versuch war es jedem der Anwesenden klar weshalb Schnittschutzbekleidung getragen werden muss.

beflammenMit großer Spannung erwartet war dann der zweite praktische Teil in dem wir eine Überjacke beflammt haben. Sofort erkannten die Teilnehmer, dass das Material der Jacke nicht entflammbar ist. Nach Wegnehmen des Brenners brannte das Gewebe nicht weiter. Ein kurzes Beflammen zeigte keinerlei Veränderung des Gewebes und auch beim Fühlen in der Jacke war keine nenneswerte Wärme spürbar.

beflammen 2Dann wurde die Jacke länger beflammt – das Material begann zu glimmen und verfärbte sich. Nach dem Wegnehmen der Flamme rauchte das Gewebe und an erkannte dass es brüchig und aufgerissen war. Hier ergab der Fühltest eine deutlich Erwärmung im Inneren.

beflammen 3Diese Versuche zeigten uns sehr anschaulich, dass die Schutzkleidung – spezielle Schutzkleidung für den Brandeinsatz, Lestungsstufe 2 – keine „Flammenschutzkleidung“ ist, in der man sich wissentlich der Einwirkung von Feuer aussetzen darf.

Diese Kleidung soll beim kurzzeitigen Auftreten extremer Temperaturen wie sie beim Flashover auftreten können, vor irreversiblen Gesundheitsschäden schützen.
Zusammenfassung vom 30.01.2008 Referat B 22 13202-3

Sie dient nur dazu bei unerwarteter Brandreignissen und dann auch nur wenn man schnellstmöglich aus der Flammeneinwirkung und der thermisch aufbereiteten Kleidung herauskommt eine Chance zu haben!

beflammen 4Beim letzten Versuch beflammten wir eine ausgesonderte Baumwoll-Feuerwehr-Latzhose. Das zeigt, dass die einfache Feuerwehrbekleidung – Grundschutz, Leistungsstufe 1 – nicht für den Brandeinsatz geeignet ist: die Hose fing nach kurzer Zeit an zu brennen und der Untergrund war erkennbar angesengt.

(Ausbildung 11-12-2012)

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